Baknaufen – Chronik

von Artur Wengler (aus Baknaufen – Zei(d)ung Jubiläumsausgabe 2014)Foto 01.03.17, 08 39 44

Liebe Karnevalsfreunde,

als unsere Pressewartin mich fragte ob ich bereit wäre einen Bericht über die Entstehung der Baknaufen zu schreiben, habe ich gerne zugesagt. Was aber schreibt oder beschreibt man dort. Wie schreibt man all die Dinge auf, die einem einfallen und präsent sind? Wünscht man eine lange- oder eher die kurze Version? Es haben sich so viele Geschichten und Geschichtchen zugetragen, dass die Auswahl dessen was aufgeschrieben werden kann sehr schwierig wird.

Wir haben uns dann auf die lange Version verständigt, die aber nicht heute, nicht jetzt, komplett aufgeschrieben werden soll. Die Baknaufen beginnen in einem fortlaufenden Prozess ihre Geschichte zu dokumentieren. Mit diesem Artikel starten wir dieses Projekt.

Beginnen wir also mit der Idee einen Karnevalsverein zu gründen. Dies ist als Solches nicht unbedingt außergewöhnlich, aber auch nicht gerade alltäglich. Somit startet die Geschichte wie üblich mit:

Es war einmal…eine Ansammlung von Kindergarten Müttern- und Vätern in den späten 80zigern. Innerhalb dieser Gruppe entstand ein, für den hiesigen Karneval typisches, Ensemble; ein Männerballett. Diese Herren trainierten fleißig, zum Wohlgefallen ihrer Trainerin und tranken zuweilen ein, zwei Stubbi. Waren Stubbi‘s nicht vorhanden, durfte auch gebranntes Obst verwendet werden. Wie gesagt, alles im Dienste des Karnevals und keinesfalls zum persönlichen Vergnügen des einzelnen Individuums.

Als zwangsläufige Folge dieses hohen Engagements entwickelte sich die Idee einer monatlichen, zusätzlichen Zusammenkunft, um die wertvolle Trainingszeit nicht mit langwierigen, beratungsintensiven Gesprächsthemen zu vergeuden. Böse Zungen behaupten noch heute das es sich dabei in um einen Stammtisch handelte.

Um diesem boshaften Gerücht schnellstens jeglichen Nährboden zu entziehen, wurde beschlossen, der monatlichen Lagebesprechung einen festen Namen zu geben: Der „Stippeltisch“ war geboren.

In Zewen wurde aber nicht nur im Kindergarten Karneval gefeiert. An zwei Samstagen vor Fastnacht wurde jeweils eine Veranstaltung vom Sportverein und vom Pfarrgemeinderat ausgerichtet. Beide über viele Jahre fester Bestandteil im Zewener Ortsgeschehen und immer gut besucht.

Machen wir einen Sprung ins Jahr 1991, dem Jahr des ersten Golfkrieges. Fastnacht fällt weitestgehend aus, so auch in Zewen. Pfarrgemeinderat und Sportverein schließen sich der bundesweiten Aktion: „Pietät  vor  Mammon“ an. Aus heutiger Sicht eine eher typisch Deutsche Hysterie, die so nicht mehr stattfinden würde. Während ganz Deutschland den Karneval absagte, feierten die Amerikaner ihre Bälle als sei nichts geschehen.

1992 war dann wieder ein normales karnevalistisches Jahr in Deutschland. Nur in einem kleinen moselfränkischen Dorf zwischen dem alten römischen  Augusta Treverorum und der Festungsstadt Luxemburg gelegen, dort wiedersetzte man sich der alten Tradition und feierte erneut keine Fastnacht. Der Chef im Pfarrhaus hatte zwar keine Angst, dass ihm der Himmel auf den Kopf fällt, aber er bekam nach der Pause einfach seine Leute nicht mehr zusammen, die das alles stemmen sollten. Troubadix „Reimchi“, der wahre Held, durfte nicht mehr singen, die Moselfranken kamen nicht mehr in die Halle und irgendwie hatte das ganze Dorf den Spass verloren.

Das war die Stunde der „Stippeltischler“, dem neuen Lage- und Krisenteam der Zewener Fastnacht. Sie erhoben sich sozusagen zum Hüter des heiligen Grals des Zewener Karnevals und vereinbarten einen Verein zu gründen.

Am Freitag den 27. März 1992 trafen sich zwölf junge Männer beim Thimmy um über eine Vereinsgründung zu beraten. Eine Satzung wurde ausgearbeitet sowie die Vereinsgründung beschlossen und dokumentiert. Die Satzung zu beraten, war sicherlich das zeitintensivste Thema an diesem Abend. Es musste aber noch ein Name gefunden werden, und diesen Punkt würde man in der Nachbetrachtung dann gerne als emotional sachliche Diskussion beschreiben wollen.

Die an der Gründung beteiligen „Zugereisten“ hatten zu diesem Namen wenig bis keine Bedenken, auch wenn der Name Baknaufen etwas seltsam klang. Die Zewener in der Runde waren von diesem Namen zutiefst überzeugt. Unterschätzt hatten sie jedoch die Reaktionen zuhause und im Ort. Das war anfangs gar nicht lustig und wir hatten wegen dieser Namensgebung gerade bei den älteren Einwohnern eine ganze Menge Anfeindungen auszuhalten. Heute ist das alles kein Thema mehr und die Baknaufen haben sich als Zewener Marke etabliert.

Am frühen Morgen des 25. März 1992 war soweit alles geregelt. Die Baknaufen waren gegründet, ein Vorstand gewählt und alle zwölf Gründungsmitglieder legten je 50 DM als Startkapital auf den Tisch. Carola brachte eine letzte Runde Bier, mit der wir auf die gelungene Vereinsgründung anstießen. Rudi Schumacher machte ein Erinnerungsfoto und Carola und Herbert Fusenig wurden in dieser Nacht noch unsere Vereinsmitglieder Nr. 1 und Nr. 2!Foto 17.02.17, 20 35 22

Am Dienstag den 19. Mai 1992 gab es eine sehr gut besuchte öffentliche Gründungsversammlung. Dort wurde z.B.  ein erweiterter Vorstand beschlossen und gewählt. Am Samstag den 07. November 1992 organisierten wir in der Zewener Turnhalle ein Gründungsfest, bei dem fast alle Trierer, sowie viele Karnevalsvereine aus der Region teilnahmen. Heute kann man sagen, dass die Baknaufen an diesem Tag in die Gemeinschaft der Karnevalisten aufgenommen wurden. Obwohl es einigen etablierten Karnevalisten doch eher suspekt war, was diese Baknaufen aus dem traditionellen Karneval machten.

Unser Anspruch war von Beginn an, der etwas andere Karnevalsverein zu sein.  Das führte sicherlich zu der ein oder anderen Stilblüte, von der man sich in den darauf folgenden Jahren auch wieder verabschiedete. Der Kern des „anders sein“, blieb jedoch über die Jahre erhalten. Bei den Baknaufen gibt es keine Narrenkappen, keinen Elferrat und kein Prinzenpaar. Eine schwer zu akzeptierende Tatsache für Traditionalisten, an der wir jedoch bis heute unerschütterlich festhalten. Zudem waren wir der erste Verein der einen Jugendbeauftragten in den geschäftsführenden Vorstand berufen hat. Dies war 1992 wegweisend für erfolgreiche Jugend-arbeit, wie wir sie bis heute erfolgreich fortführen.

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Unsere Sitzungen waren vom Start weg anders als die der traditionellen Vereine. In Zewen wurde eine karnevalistische Show angeboten. Beste Licht- und Tontechnik sollten dafür sorgen, dass bei uns niemals eine Turnhallen Atmosphäre entsteht. Die Halle wurde so hergerichtet das man an jedem Punkt, egal wo man sich befindet, die gleiche Sicht- und Hörqualität vorfindet. An dieses Konzept glauben wir bis heute und haben kontinuierlich daran weitergearbeitet.

Abschließend zum ersten Teil der Baknaufen Chronik, sei es noch erlaubt die Namen der Vereinsgründer und des ersten Vorstandes zu nennen:

Gründer: Artur Konrath, Reinhardt Abt, Herbert Schwenk, Hermann Wener, Hans Frank, Artur Wengler, Rudi Schumacher, Hans-Willi Triesch, Reimund Karel, Christian Becker, Klaus Klink, Peter Quallo.

Erster Vorstand: Artur Wengler, 1. Vors., Hans Frank, 2. Vors., Rudi Schumacher, Kassierer, Hermann Wener, Schriftführer.

Die erste Sitzung der Baknaufen fand  am 21. Februar 1993 statt.

Mit diesem ersten Sessionsjahr 1993 werden wir unsere Chronik in der nächsten Ausgabe der Baknaufen Zei(d)ung weiterführen. Die Chronik werden sie, liebe Leserinnen und Leser, auch auf unserer Homepage www.baknaufen.de finden.